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Vorhin war das noch „wir schauen nur kurz vorbei“.
Zwei Stunden später standen wir mitten in der fetten Party von vorhin, als hätte jemand die Realität auf Bass gestellt.
Der Raum
Der Raum war ein einziges Flackern. Lichtkegel, Schweiß und Sekunden, die nicht mehr sauber aneinanderpassen wollten. Irgendwo lachte jemand so laut, dass es wie ein Soundeffekt klang. Die Luft schmeckte nach Energy, nach schwerem Parfum und diesem einen Versprechen, das man sich nur nachts gibt: Dass morgen eh egal ist.
Die Fragmente
Ich erinnere mich an Details, die eigentlich unwichtig sind, aber alles erzählen. Ein zerknitterter Becher auf dem Boden. Ein verlorener Schuh. Eine fremde Hand auf meiner Schulter – eine Geste, als würden wir uns seit Jahren kennen.
„Das ist die fette Party von vorhin“, sagte jemand neben mir. Als müsste man den Moment etikettieren, damit er greifbar bleibt. Ich nickte nur. Ich wusste genau, was gemeint war: Dieses Gefühl, wenn alles ein bisschen zu hell, zu laut und zu schnell ist – und genau deshalb zum ersten Mal richtig.
Das Echo und der Frost
Später, als wir endlich draußen standen, war es plötzlich still. Aber es war eine andere Stille als sonst. Sie war dünner geworden, kälter. Wer genau hinhörte, merkte, dass der Boden unter den Füßen weniger nachgab. Als würde jemand im Hintergrund leise die Regler nach unten ziehen, nicht nur bei der Musik, sondern beim Licht für uns alle.
Man spürt es jetzt öfter: Ein kalter Zug, der durch die offenen Türen geht. Ein Rechnen in der Dunkelheit, das nur noch den Wert von Zahlen kennt, aber nicht mehr den Rhythmus des Herzschlags.
Nur unser Atem blieb, die kalte Grazer Nacht und dieses dumpfe Echo im Brustkorb. Ein Echo, das wir bewahren müssen, bevor sie versuchen, auch die Resonanzräume kleiner zu machen.
Das „Vorhin“ verteidigen
Manchmal ist „vorhin“ nicht nur eine Zeitangabe auf der Uhr. Manchmal ist es ein Ort, an den man kurz zurückwill. Nur um sicherzugehen, dass das alles wirklich passiert ist – und dass wir noch da sind. Dass wir den Bass noch spüren, auch wenn sie draußen schon anfangen, die Leitungen zu kappen.